BCZ im Tagblatt der Stadt Zürich

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“Trickreiche Ballkunst zwischen vier Banden”

Blickpunkt Poolbillard ist nicht alles. Wer die feine Kunst des Carambolespiels auf einem Billardtisch ganz ohne Löcher kennt, ist bald fasziniert von den unendlichen Möglichkeiten, die Kugel über den Filz zu schicken. Das wissen und lieben die Mitglieder des Billard Clubs Zürich seit 110 Jahren. SIB

Den Ball im Visier: Vereinspräsident Armin Grimm (links) war zwei Jahre lang Billardprofi. Gregor Waser ist seit 18 Jahren im Billard Club Zürich und spielt regelmässig an Turnieren. Bild: SIB

Den Ball im Visier: Vereinspräsident Armin Grimm (links) war zwei Jahre lang Billardprofi. Gregor Waser ist seit 18 Jahren im Billard Club Zürich und spielt regelmässig an Turnieren. Bild: SIB

Kugeln in Löcher schieben kann jeder – oder viele haben es zumindest einmal im Leben bereits versucht. Poolbillard ist hierzulande populär, ganz im Gegensatz zur Karambolage. Dabei ist Carambole, also Billard ohne Löcher (im Profijargon «Taschen»), praktisch die Urform des Billardspiels. Bereits Anfang des 17. Jahrhunderts findet sie Erwähnung in William Shakespeares «Antony and Cleopatra», und an zahlreichen französischen Höfen standen Vorgänger der heutigen Caramboletische.

Ganz so weit zurück reicht die Geschichte des Billard Clubs Zürich (BCZ) nicht. Der Verein wurde 1909, im Gründungsjahr des FC Sion und des Giro d’Italia, unter dem Namen Zürcher Billard Club gegründet. Eines der ersten Clublokale befand sich in einem der stuckverzierten Säle des Zunfthauses zur Meisen. Heute, 110 Jahre später, findet man den Billard Club Zürich an etwas weniger zentraler, dafür sehr urbaner Lage an der Grubenstrasse 11 im Zürcher Binz Quartier. In einem Gewerbehaus stehen sieben Caramboletische, vier Matchtische und drei Halbmatchtische, ein Aufenthaltsraum und eine Küche – damit ist der BCZ bestens ausgerüstet und sozusagen rund um die Uhr bereit für seine Mitglieder. «Unsere Aktivmitglieder bekommen alle einen Schlüssel fürs Lokal», so Armin Grimm, Vereinspräsident seit Juli 2019 und Mitglied seit 1975. Aber auch externe Spieler oder Spontanbesucher sind immer willkommen: «Bei uns darf jeder spielen. Die Tischmiete beträgt 20 Franken pro Stunde», sagt Gregor Waser, Mitglied seit 2001. «Ab fünf Uhr abends bis ungefähr zehn Uhr ist immer jemand da. Ich erinnere mich aber auch an Nächte, an denen wir bis zwei Uhr früh gespielt haben.» Denn wer sich einmal mit dem Carambole-Virus infiziert hat, komme so schnell nicht wieder davon los. Gregor Waser: «In einigen wenigen Billardlokalen gibt es neben den verbreiteten Pooltischen auch Caramboletische. Sind alle Pooltische besetzt, weicht man auf Carambole aus und merkt plötzlich, wie spannend und trickreich ein Spiel mit nur drei Bällen und ohne Taschen sein kann.»

Mit Effet zum Erfolg

Zwei Spieler, drei Bälle, ein Tisch und vier Banden: Beim Carambole geht es darum, mit seinem Spielball die anderen Bälle zu berühren, um einen Punkt zu erzielen. Und ja, korrekt heisst es Bälle und nicht Kugeln. Der Caramboletisch ist etwas grösser als ein Pooltisch, die Bälle ebenfalls, das Queue unterscheidet sich nicht wesentlich vom PoolQueue. Je nach Spielvariante muss der Ball noch eine oder drei Banden berühren, bevor er den zweiten Ball touchiert. Könner geben dem Spielball Effet, sodass dieser einen Bogen schlägt, stehen bleibt oder gar rückwärtsläuft. Dass es nie zu spät ist, mit Carambole anzufangen, beweist BCZ-Mitglied Peter Müller: Im reifen Alter von 75 Jahren besuchte er einen Schnupperkurs. Heute, mit 87 Jahren, ist der ehemalige Mathematiklehrer immer noch im Club und hat inzwischen zwölf Jahre Spielpraxis.

Weitere Informationen:

Für alle Interessierten veranstaltet der Billard Club Zürich am Mittwoch, 4. September, von 12 Uhr bis 22 Uhr einen Tag der offenen Tür. Dabei gibt es ein Gratis-Schnuppertraining mit dem 35-fachen Carambole Schweizer-Meister Armin Grimm. BCZ, Grubenstrasse 11, 8045 Zürich.

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